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Mattea Meyers Auszeit: Intensität des Nationalratsjobs

Burnout in der Politik

So viel Zeit investieren Ostschweizer Nationalrätinnen und Nationalräte in ihr Amt

 

Die mehrmonatige Auszeit der SP-Nationalrätin Mattea Meyer hat eine Debatte über die Belastungen in der Politik entfacht. Wie sehr fordert das politische Amt – und wie bewältigen Parlamentarierinnen und Parlamentarier diese Herausforderung? Ostschweizer Stimmen aus dem Nationalrat.

 

Inhaltsverzeichnis

 

Thomas Rechsteiner, Mitte Nationalrat, Appenzell Innerrhoden

 

«Meine Arbeitszeiten lassen sich kaum in Zahlen fassen – sie orientieren sich an den Anforderungen im Unternehmen und in der Politik. Oft beginnt der Tag frühmorgens um 6 Uhr und endet erst spätabends gegen 22 Uhr, und das über längere Zeiträume hinweg. Entscheidend ist für mich nicht die Stundenzahl, sondern eine gute Organisation. Dank klarer Strukturen, Unterstützung im beruflichen Umfeld und familiärem Rückhalt lässt sich die Belastung gut bewältigen.

Work-Life-Balance verstehe ich nicht als festen Zustand, sondern als bewussten Ausgleich. Ich setze gezielt Prioritäten und schaffe mir Freiräume, etwa in der Natur oder im persönlichen Umfeld. Burnout ist kein spezifisches Problem der Politik, sondern ein gesamtgesellschaftliches Phänomen. Risiken entstehen vor allem durch dauerhafte Belastung ohne Erholung, hohe Erwartungen und die Vermischung von Beruf und Privatleben.»

 

Kris Vietze, FDP-Nationalrätin, Thurgau

 

«Eine durchschnittliche Arbeitswoche gibt es für mich nicht. Es gibt ruhigere Zeiten und Phasen, in denen es sehr dicht wird. Ich zähle keine Stunden, sondern schaue, dass die Arbeit erledigt ist. Das empfinde ich nicht grundsätzlich als Belastung, solange man auf sich achtet. Für mich gibt es keine strikte Trennung zwischen Arbeit und Leben, alles gehört zusammen.

Wichtig ist, im jeweiligen Moment präsent zu sein. Abschalten gelingt mir bewusst, etwa beim Lesen oder im Austausch mit Menschen. Mein Handy bleibt nachts in der Küche, das hilft. Politische Arbeit bedeutet, ständig unter Beobachtung zu stehen, vieles passiert gleichzeitig. Fälle wie jener von Mattea Meyer zeigen: Die Belastung ist real, vor allem wenn Grenzen verschwimmen. Deshalb ist es entscheidend, sich selbst gut zu organisieren und auch einmal Nein zu sagen.»

 

Nina Schläfli, SP-Nationalrätin, Thurgau

 

«In Sessionswochen arbeite ich schnell einmal rund 60 Stunden, in anderen Phasen versuche ich, das zu kompensieren. Das gelingt nicht immer. Die Belastung ist aber nicht nur eine Frage der Stunden, sondern ergibt sich aus verschiedenen Faktoren: inhaltlich schwierige Themen, öffentliche Auftritte oder die hohe Exponiertheit.

Ich versuche, mir klare Regeln zu geben, etwa wie viele Abende ich für Termine nutze. Abschalten gelingt mir beim Sport oder bei kulturellen Aktivitäten – auch wenn das als Mutter nicht immer einfach ist. Unregelmässige Arbeitszeiten erfordern viel Organisation und ein gutes Betreuungsnetz. Fälle wie der von Mattea Meyer zeigen, dass das Burnout-Risiko erhöht ist. Gleichzeitig hat sie ein wichtiges Tabu gebrochen, indem sie offen darüber gesprochen hat.»

 

Diana Gutjahr, SVP-Nationalrätin, Thurgau

 

«Arbeit wird oft vorschnell als Belastung dargestellt, dabei kann sie auch Sinn stiften. Entscheidend ist, wie man mit ihr umgeht. Eine klassische Work-Life-Balance gibt es für mich nicht. Vielmehr geht es um Eigenverantwortung und darum, die eigenen Strukturen regelmässig zu hinterfragen. Abschalten gelingt, wenn man Prioritäten setzt und akzeptiert, dass nicht alles gleichzeitig möglich ist.

Ich nehme mir bewusst Zeiten, in denen ich nicht erreichbar bin. Politisches Engagement beansprucht Zeit und Energie, deshalb ist es wichtig, sich auf Themen zu konzentrieren, die einem wirklich entsprechen. Der Druck in der Politik ist anders, vor allem wegen der öffentlichen Aufmerksamkeit. Umso wichtiger ist es, sich abzugrenzen und auch andere Lebensbereiche zu pflegen.»

 

Michael Götte, SVP-Nationalrat, St.Gallen

 

«Mit meinen verschiedenen beruflichen und politischen Tätigkeiten arbeite ich durchschnittlich zwischen 70 und 90 Stunden pro Woche. Das ist anspruchsvoll, aber dank der Abwechslung und meiner Freude an der Arbeit machbar. Mir ist es wichtig, mir bewusst Zeit für Familie, Freunde und Sport zu nehmen, insbesondere an Wochenenden. Dann lege ich Telefon und Laptop auch gezielt zur Seite.

Meine Familie kennt die politische Tätigkeit seit vielen Jahren, weshalb sich der Alltag gut eingespielt hat. Beim Thema Burnout sehe ich einen Zusammenhang mit der Entwicklung hin zu vollberuflichen Politkarrieren. Wer neben dem Mandat noch andere Tätigkeiten hat, findet oft einen besseren Ausgleich. Ohne diesen kann die Gefahr steigen, sich zu stark im politischen Umfeld zu bewegen und dadurch stärker belastet zu werden.»

 

Edgar Bischof, SVP-Nationalrat, Appenzell Ausserrhoden

 

«Aktuell arbeite ich mindestens 60 Stunden pro Woche, dazu kommen zahlreiche Repräsentationstermine. Für mich ist das keine Belastung, da ich meine Tätigkeiten in der Politik und in meinen Firmen mit Freude ausübe.

Entscheidend ist, dass ich im richtigen Moment abschalten kann: Wenn ich Zeit mit meiner Familie oder mit Freunden verbringe oder Sport mache, blende ich Politik und Arbeit konsequent aus. Diese bewussten Auszeiten geben mir Energie und helfen, Belastungen gar nicht erst entstehen zu lassen. Ich nehme mir zudem täglich Zeit für mich, um zur Ruhe zu kommen und den Tag abzuschliessen. Natürlich bleibt durch die Politik weniger Zeit für die Familie, doch wir setzen bewusst auf Qualität statt Quantität. Fälle wie jener von Mattea Meyer zeigen: Auch in der Politik ist Burnout ein Thema – vor allem dann, wenn Überlastung über längere Zeit anhält.»

 

Arbër Bullakaj, SP-Nationalrat, St.Gallen

 

«Ich arbeite je nach Woche zwischen 30 und über 60 Stunden – abhängig davon, wie stark mein politisches Mandat, mein Unternehmen und meine Familie mich fordern. Wie sich diese Belastung langfristig anfühlt, kann ich noch nicht beurteilen, da ich erst seit wenigen Tagen im Amt bin. Doch eines spüre ich schon: Die Balance stellt sich nicht von allein ein, man muss sie aktiv erkämpfen.

Besonders schwierig ist die Abwesenheit während der Sessionen – ich kann meine Kinder abends nicht ins Bett bringen oder am Familienleben teilnehmen. Klare Prioritäten helfen mir dabei: Zeit mit der Familie und Sport sind für mich essenziell, um auszugleichen. Fälle wie der von Mattea Meyer zeigen, wie hoch die Erwartungen an Politiker sind. Permanente Erreichbarkeit, öffentlicher Druck und Kritik belasten mehr, als viele ahnen. Umso wichtiger ist es, Grenzen zu setzen.»

 

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