«tunOstschweiz»
Staunen, tüfteln, Zukunft bauen: Kinder tauchen an der Offa in den MINT-Bereich ein
Die Berufsbildungsquote im Kanton St.Gallen soll weiterhin hoch bleiben. Der Verein tunOstschweiz will mit seiner Ausstellung an der Offa das Interesse an MINT-Berufen frühzeitig wecken.
Die Olma-Messen in St.Gallen sind derzeit fest in der Hand kleiner Entdecker. Es summt und brummt in einer ganz besonderen Frequenz. Es ist nicht das übliche Messetreiben, sondern das konzentrierte Murmeln vieler junger Forschender. Mittendrin sitzt die siebenjährige Aiana und konzentriert sich ganz auf ihre Hände. Eigentlich arbeitet sie nicht so gerne handwerklich, aber für ihr Grosi wollte sie an der interaktiven Erlebnisschau tunOstschweiz unbedingt ein Geschenk bauen.
Wenn Aiana eine Maschine erfinden könnte, wäre es «ein Portal direkt ins Schlaraffenland», verrät sie mit leuchtenden Augen. Während Aiana von süssen Welten träumt, zeigt der zwölfjährige Andrin, dass er bereits ein Auge für technische Lösungen hat. Zu Hause hat er bereits einen kaputten Staubsauger auseinandergenommen und umfunktioniert, damit dieser die Maiskörner aufsaugen kann, die sein Bruder ständig verstreut. An der Ausstellung sucht er nun nach neuen Herausforderungen, vielleicht auf dem Weg zu seinem Traumberuf als Landmaschinenmechaniker.
Antwort auf Fachkräftemangel
Vom 15. bis 19. April bringt der Verein tunOstschweiz den Fachkräften von morgen an der Frühlingsmesse Offa Technik und Naturwissenschaften näher. Rund 4500 Kinder und Jugendliche nutzen die Gelegenheit, um in eine Welt einzutauchen, in der Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) nicht als Schulfächer, sondern als spannende Abenteuer erlebt werden.
Doch hinter dem spielerischen Treiben steckt ein ernster Hintergrund. Der Fachkräftemangel beschäftigt die Ostschweizer Unternehmen seit Jahren massiv. Laut Analysen der Industrie- und Handelskammer St.Gallen-Appenzell (IHK) nennt jeder dritte Betrieb diesen Mangel als grösste Herausforderung für das Jahr 2026. Besonders in den MINT-Bereichen hat sich die Nachfrage nach Fachkräften in den letzten Jahren vervielfacht.
«Die tunOstschweiz setzt bereits früh als Interessenswecker an», sagte Michael Götte, Nationalrat und tunOstschweiz-Präsident, an der Pressekonferenz. Es gehe darum, die Neugier zu wecken, bevor die eigentliche Berufswahlphase beginnt. Für Götte ist das duale Bildungssystem zentral für den Kanton St.Gallen, doch gerade die MINT-Fächer seien noch im Ungleichgewicht.
Regierungsrätin und Bildungsdirektorin Bettina Surber betonte: «St.Gallen ist ein starker Industriestandort und im Vergleich zu anderen Kantonen haben wir immer noch eine hohe Berufsbildungsquote.» Diese wolle der Kanton weiterhin halten und mit Initiativen wie tunOstschweiz schon früh aufzeigen, welche Möglichkeiten für junge Nachwuchskräfte existieren.
Vom Experiment zum Beruf
Wie erfolgreich dieser Weg sein kann, bewiesen zwei junge Vorbilder auf der Bühne. Bianca Fäh, heute Chemielaborantin bei CSL Vifor, fand ihren Weg über ein Praktikum während der Matura: «Mit Chemie kann man die ganze Welt erklären, egal ob es sich um einen Regenbogen handelt oder man die Bestandteile eines Türrahmens erklären möchte. Alles ist Chemie». Ihr Weg führte sie direkt vom Experiment zum Beruf. Ähnlich klang es bei Mirco Burri, gelernter Gebäudetechnikplaner und Swiss-Skills-Sieger. Er wurde durch einen Freund auf seinen Beruf aufmerksam und schätzt die ständige Abwechslung: «Man lernt immer wieder etwas Neues, bei jedem Projekt und jedem Kunden».
Dass dieser Prozess nicht erst bei der Lehrstellensuche beginnt, sagt auch Karin Bischof, Geschäftsleiterin der Schneiderei die Manufaktur: «Der Berufswahlprozess beginnt bereits im Elternhaus.» Kinder müssten die Chance haben, möglichst viel auszuprobieren – sei es beim Handwerken zu Hause oder bei Familienausflügen an Messen wie der Offa.
Diese Neugier zeigt sich an den Ständen überall: Da ist Lukas (14), der sich bereits einen Spiegel mit Holzrahmen gebaut hat und sich für den Beruf des Sägers interessiert. Oder Maylo (12), der zwar gerne an seinem BMX schraubt, aber eigentlich Immobilienmakler werden will, weil er so gerne verhandelt.
80 Prozent entscheiden sich für eine Berufslehre
Die Statistik gibt dem Verein recht. In der Ostschweiz entscheiden sich gemäss IHK knapp 80 Prozent der Jugendlichen für eine Berufslehre. Dieser Wert liegt deutlich über dem schweizerischen Durchschnitt. Dennoch bleibt der Druck hoch: In den nächsten zehn Jahren wird rund ein Fünftel der Erwerbstätigen pensioniert. «Umso wichtiger ist es, den jungen Nachwuchskräften schon früh das Handwerk mit auf den Weg zu geben», so Michael Götte. Am Ende sind es vielleicht genau diese kleinen Erfinder wie Andrin oder Aiana, welche die Innovationsfähigkeit der Ostschweizer Wirtschaft in Zukunft sichern werden.




































































































































































































































































































































































