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Als Divisionär unter den Soldaten beliebt: Willy Brülisauer möglicher Armeechef?

«Der Typ ist einer von uns»: Soldaten und Offiziere schätzen den Toggenburger Divisionär Willy Brülisauer, der als künftiger Armeechef gehandelt wird

 

 

Unter den Favoriten für die Armeechef-Nachfolge fällt derzeit stets auch der Name eines Toggenburgers: Der in Nesslau wohnhafte Divisionär Willy Brülisauer kommandiert seit 2018 die Territorialdivision 4, also die militärische «Ostflanke» der Schweiz.

 

 

Kommt es zum doppelten St.Galler Ritt an die Armeespitze nach Bern? Es scheint nicht ausgeschlossen. Nachdem der Rheintaler Nationalrat und Bauernverbandschef Markus Ritter für die Nachfolge von Verteidigungsministerin Viola Amherd kandidiert, taucht nun der Toggenburger Divisionär Willy Brülisauer unter den Favoriten als Nachfolger des Ende Jahr zurücktretenden Armeechefs Thomas Süssli auf. Wobei das eine nicht vom andern abhängt: Wenn Ritter nächste Woche nicht gewählt würde oder im Fall einer Wahl nicht das VBS erhielte, bleiben Brülisauers Chancen trotzdem intakt. Auch wenn derzeit der Romand Laurent Michaud, Chef Kommando Operationen der Armee, als Top-Favorit gilt.

Freilich geht es im Fall des künftigen Armeechefs erst um Spekulationen und nicht um spruchreife Kandidaturen. Der 57-jährige Nesslauer Brülisauer, seit 2018 Kommandant der Territorialdivision 4, wird jedoch durchwegs unter der Handvoll valabler Köpfe für Süsslis Nachfolge gehandelt. Zumal er dem Wunschbild eines Offiziers alter Schule und langjährigen Berufsmilitärlers entspricht, das nach dem früheren Banker und Armeemanager in konfliktreicher Zeit gefragt ist.

 

 

Führungserfahrener Panzerbrigadier und Divisionär

 

 

Willy Brülisauer äussert sich nicht zu den Gerüchten und lehnt sich in eigener Sache nicht zum Fenster hinaus. Für ein Porträt oder Interview stehe er derzeit nicht zur Verfügung, heisst es bei der Armee. Was für Insider erst recht ein Hinweis ist, dass Brülisauer zum Kreis der Favoriten gehört: Der «Willysionär», wie ihn manche nennen, sei schliesslich aktuell der einzige Offizier der Schweizer Armee, der schon zwei grosse Verbände geführt habe – ab 2014 die Panzerbrigade 11, sodann ab Juli 2018 und bis heute die Territorialdivision 4.

Berufssoldat ist der gelernte Vermessungszeichner, der zunächst als Bauführer im Tiefbau arbeitete, seit 1990. Er war Instruktor in den Panzer- und Aufklärungsschulen in Thun, Klassen- und Taktiklehrer an der Militärakademie, Stabschef an der Generalstabsschule und unter anderem Kommandant eines Radfahrer- sowie eines Aufklärungsbataillons. Nun ist er seit sieben Jahren als Kommandant der Territorialdivision 4 für 7000 Armeeangehörige und sieben Bataillone aus den Kantonen St.Gallen, Appenzell Innerrhoden und Ausserrhoden, Thurgau, Glarus, Zürich Schaffhausen verantwortlich.

 

 

Als «typischer Troupier» nah bei den Menschen

 

 

Vor dem Militär kam als wichtigste Lebensschule des Toggenburgers der Sport: Als Bub begeisterter Fussballer und Skifahrer, entschied er sich mit zwölf fürs Zweitere und schaffte es bis zum Swiss-Ski-Selektions-Kader-Fahrer, der über 70 FIS-Rennen bestritt. «Ich war die Nummer 63 in der Abfahrts-Weltrangliste und an den Rennen Zimmerkollege von Paul Accola», erzählte er einmal. Obwohl Einzelsportler, wusste er stets das Team zu schätzen und verlor nie die Bodenhaftung.

Der Toggenburger sei anständig, packe an und wolle weitermachen, sagte Brülisauer in der Lokalzeitung – Eigenschaften, die er selber vorbildlich verkörpert. Und die ihn in der Truppe beliebt machen: «Der Typ ist einer von uns», sagt ein Soldat, der Brülisauer oft im Dienst erlebte. «Sein Humor und seine zugängliche Art sind legendär.» Im Gegensatz zu manch andern Obersten komme Brülisauer «bei allen gut an», er habe «Charakter, Stil, Persönlichkeit» und sei «alles andere als ein arroganter Korpskommandant, der nicht oder nur ungern mit Soldaten spricht». Vielmehr, so der Soldat weiter, «interessiert es ihn, was die Truppe macht und wo der Schuh drückt. Er bringt einem nachts auf der Wache ein Redbull vorbei, gibt Tipps beim Jassen oder kennt die guten Znünibeizen. Und er weiss, wie die Offiziere zu motivieren sind und dass es manchmal deutsch und deutlich sein muss.»

Positive Einschätzungen, die auch ein militärischer Weggefährte Brülisauers teilt: Michael Götte, St.Galler SVP-Nationalrat und Oberst, der bis 2024 den Territorialen Führungsstab St.Gallen leitete. Brülisauer sei «sehr nah bei den Menschen, ein typischer Troupier, wie wir sagen». Kein Bürolist, sondern ein bodenständiger, hemdsärmliger Anpacker, der die Armee von der Pike auf kenne und «mit Panzern gross geworden» sei, meint Götte. «Man mag ihn, man schätzt seine Kompetenz und seine saubere Führung – und dass er klar ist und Konflikte nicht scheut.» Nun gelte es zuerst die Bundesratswahl abzuwarten, sagt Götte, aber er könne sich Brülisauer gut als Armeechef vorstellen.

 

 

Den kantonalen Sicherheitsdirektoren beigestanden

 

 

Auch der ehemalige St.Galler Sicherheits- und Justizchef Fredy Fässler lobt «seinen» Divisionär in höchsten Tönen. Brülisauer sei «umgänglich, loyal, kooperativ und beim Kader ebenso beliebt wie bei den Soldaten». Kein «Offizier-Betonkopf», der nur Befehle gebe, sondern ein weltoffener Mensch mit modernem Führungsstil, der seine Leute in den WK’s besuche, nichts unter den Tisch kehre und Probleme engagiert anpacke. Als kantonaler Militärdirektor hat Fässler erfahren, was die notfallmässige Unterstützung ziviler Behörden seitens der Armee wert sei kann: «Während der Covid-Pandemie hat sich Brülisauer von sich aus regelmässig erkundigt, ob wir etwas brauchen. Er stand für die Kantone jederzeit bereit. Das habe ich sehr geschätzt.» Die Armee half dann etwa mit Sanitätsfahrzeugen. Ob Brülisauer als Armeechef geeignet sei, müssten andere beurteilen, sagt Fässler. «Aber ich bin von ihm als Mensch und Offizier überzeugt.»

 

 

Oft unter den Leuten – und die Frau neuerdings Wirtin

 

 

Der Zwei-Sterne-General ist auch abends oft unterwegs, an Polit-, Sport- oder Wirtschaftsanlässen – und keine dörfliche 1.August-Feier oder Schützenvereinsversammlung ist ihm zuviel. Wo immer möglich betont er, dass die Armee dringend mehr Geld und mehr Personal brauche. «Zwar hat in der Bevölkerung ein Umdenken stattgefunden, aber noch nicht in allen Kreisen», sagte er kürzlich im «Schweizer Soldat». «Wenn man rund um die Schweiz herumschaut, erhöhen alle Nationen ihr Militärbudget, sie rüsten auf. In der Schweiz hingegen geht es relativ langsam. Man muss sich bewusst sein, dass schwere Waffen, die man jetzt kauft, erst in fünf bis sieben Jahren geliefert werden.» Zwar beklagt Brülisauer, dass es zu viele Abgänge in den Zivildienst gebe, aber er stellt ein höheres Pflichtbewusstsein bei den Soldaten fest. «Sie kennen den Sinn ihrer Tätigkeit – sie wissen, wofür sie trainieren. Auch die Truppen sehen täglich Bilder aus dem Kriegsgebiet in der Ukraine. Deshalb ist ihnen bewusst, dass man gut ausgebildet sein muss, um in einem Krieg überhaupt eine Chance zu haben.»

Hinter respektive neben jedem starken Mann steht eine starke Frau: Mit Gattin Anita hat Willy Brülisauer zwei mittlerweile erwachsene Töchter. Sie managte nicht nur Haus und Familie, wenn ihr Mann meistens auswärts arbeitete, sondern wirkte in Nesslau auch als FDP-Schulrätin. Und Anfang 2024 hat die gelernte Kauffrau gar das Restaurant National («Nat’s») in Wattwil als Pächterin übernommen – der Name wäre schon mal ein verschmitzter Hinweis auf den weiteren Karriereschritt ihres Gatten.

 

Originalartikel: Tagblatt, 04.03.2025

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