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Michael Götte blickt auf 20 Jahre als Gemeindepräsident Tübach zurück

Höhepunkte, Motivationskrise, Versprechen: Michael Götte blickt auf 20 Jahre als Tübacher Gemeindepräsident zurück

 

Vor 20 Jahren trat Michael Götte das Amt als Tübacher Gemeindepräsident an. Mittlerweile ist er Nationalrat – und noch immer Oberhaupt der Tübacherinnen und Tübacher. Im Interview spricht er über Höhepunkte und Dinge, die er heute anders machen würde.

 

Am 1.Januar 2006 traten Sie das Amt als Tübacher Gemeindepräsident an. Sind Sie nach 20 Jahren etwas amtsmüde?

Michael Götte: Nein, ich komme jeden Tag mindestens so motiviert ins Büro wie vor 20 Jahren. Das hat sicher auch damit zu tun, dass meine Tätigkeiten neben dem 50-Prozent-Pensum als Gemeindepräsident mehrfach gewechselt haben.

Welche Höhepunkte haben Sie in den vergangenen 20 Jahren erlebt?

Viele. Aber ich denke vor allem an die gesamte Entwicklung der Gemeinde in dieser Zeit. Das umfasst viele Komponenten, zum Beispiel Bauentwicklungen wie das Gebiet «Im Hermet» oder die grosse Zentrumsüberbauung. Dann fand zweimal der Start der Tour de Suisse in Tübach statt und 2013 das Herbert-Grönemeyer-Konzert. Solche Anlässe haben einen gewissen Rhythmus: Pro Legislatur sollte mindestens einmal etwas Grosses stattfinden.

Was waren Tiefpunkte?

Ein Tiefpunkt, der nachhallt, kommt mir nicht in den Sinn. Nicht einfach war es im vergangenen Jahr, als gleich vier Mitarbeitende kündigten. Das lag aber nicht an schlechter Stimmung auf der Verwaltung, sondern die vier hatten alle ihre Gründe. Trotzdem fragte ich mich, wie das nun gehen soll. Mittlerweile haben wir aber wieder ein Top-Team, was für mich ein Höhepunkt ist. Generell wurden auf der Gemeindeverwaltung Tübach schon viele Leute ausgebildet, die heute in anderen Gemeinden die Region prägen.

Sie waren 26-jährig, als Sie das Amt antraten. Was hätten Sie gerne früher gewusst?

Ich frage mich manchmal, wie ich damals meine Arbeit mit vergleichsweise wenig Knowhow gemacht habe. Eine konkrete Sache, die ich mittlerweile anders angehen würde, wäre die Sanierung der Mehrzweckhalle. Heute würde ich zumindest die Option eines Neubaus prüfen. Auch beim Bau des Schulhauses mit Kindergarten vor zwölf Jahren hätte man über die Option einer künftigen Aufstockung sprechen können. Danach hatten wir Engpässe im Kindergarten. Aber im Grundsatz hätte ich nichts anders gemacht.

Haben Sie vor, weitere 20 Jahre im Amt zu bleiben?

Mindestens (lacht). Nein, das ist definitiv nicht das Ziel. Vor meiner Wahl befürchtete ein Bürger, ich würde nach zwei, drei Jahren in Tübach das Gemeindepräsidium in Steinach anstreben. Mein Versprechen, länger zu bleiben, habe ich sicher gehalten. In meinem Amt bin ich immer noch glücklich. Auch wenn ich vor ein paar Jahren eine Motivationskrise hatte.

Warum?

2020 stellte ich mich als Regierungsrat zur Wahl. Zwar hätte ich Tübach wohl etwas wehmütig verlassen, trotzdem sass ich am Montag nach meiner Nicht-Wahl im Büro und war etwas traurig, dass nun alles gleich weiterlief wie bisher. Im Nachhinein bin ich sehr froh, dass es anders gekommen ist. Mein Amt als Nationalrat kombiniert mit der Arbeit in der Gemeinde ist für mich spannender. Im Parlament beschliessen wir die grossen Gesetze, in Tübach setzen wir sie um. Es würde manchem Nationalrat guttun, eine Gemeinde zu führen. Diese Kombination macht mir wirklich jeden Tag Freude.

Was hat sich in den 20 Jahren in der Arbeit auf der Gemeindeverwaltung am meisten verändert?

An meinem ersten Arbeitstag hatte ich zwei Mails im Postfach und ein leeres Büro. Heute sieht das ganz anders aus. Davon abgesehen sind die Aufgaben komplexer geworden. In den ersten zwei Jahren hatte ich vielleicht einmal mit einem Anwalt zu tun. Heute vergeht keine Woche ohne Kontakt mit einem Anwalt.

 

Originalartikel: Tagblatt, 19.01.2026

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