Abstimmung
«Dieses Ergebnis ist ein Meilenstein»: Die Stadt- und Gemeindepräsidenten im Wahlkreis Rorschach freuen sich über das deutliche Ja zur Kantonsstrasse zum See
Die geplante Strasse von der Autobahn in Goldach bis ans Rorschacher Seeufer war sehr umstritten. Seit Sonntag ist klar: Sie kann gebaut werden. Bis es soweit ist, dauert es eine Weile.
83’034 Ja zu 70’678 Nein. Ein klares Verdikt. 54 Prozent der Stimmbeteiligten im Kanton St.Gallen haben am Sonntag Ja gesagt zur Kantonsstrasse zum See und zur Kostenbeteiligung am Anschluss Witen.
Der Rorschacher Stadtpräsident Robert Raths, der Goldacher Gemeindepräsident Dominik Gemperli, sein Rorschacherberger Pendant Patrick Trochsler und das Tübacher Gemeindeoberhaupt Michael Götte stiessen am Sonntagabend im «Löwengarten» an der stark befahrenen St.Gallerstrasse in Rorschach aufs Abstimmungsresultat an. Für sie war es ein gutes. Sie sind Verfechter des Strassen- und Städtebauprojekts.
Dieses kostet den Kanton St.Gallen 267 Millionen Franken. Das Geld ist beisammen und im kantonalen Strassenfonds geäufnet. «Die Investition wird sich auszahlen», sagt Robert Raths (FDP). Die Region könne sich jetzt entwickeln. Der Freisinnige erwähnt das 27’000 Quadratmeter grosse Feldmühleareal im Zentrum der Stadt Rorschach, auf dem in den nächsten Jahren über 300 Wohnungen gebaut werden. Die Baubewilligung liegt vor.
Raths spricht auch davon, dass die Lastwagen, die heute durch die Stadt in die Industriegebiete fahren, über die Kantonsstrasse umgeleitet würden.
Die Folge seien mehr Ruhe, bessere Luft und sicherere Schulwege. Raths sagt, die Kantonsstrasse und der Autobahnanschluss seien die letzten Puzzleteile im Masterplan zur Verkehrsberuhigung in der Region. Es sei schon viele gemacht worden für die Velofahrerinnnen und die Fussgänger.
Dominik Gemperli spricht von einem «Meilenstein»
«Die Zustimmung zur Kantonsstrasse zum See ist ein Meilenstein für die Entwicklung der Region am Bodensee», sagt Dominik Gemperli (Die Mitte), Gemeindepräsident in Goldach. Nicht nur werde der Verkehr entflechtet, das Gewerbe und die Industrie profitierten auch von besseren Entwicklungsmöglichkeiten. Daneben werden laut Gemperli die Zentren belebt und sie gewinnen an Attraktivität und Lebensqualität. Speziell für Goldach bringe das Vorhaben einen Mehrwert: Der Verkehr von und zu den benachbarten Gemeinden führe heute durchs Zentrum Goldachs oder über die stark frequentierte St. Gallerstrasse. Der Anschluss Witen und die Kantonsstrasse zum See erzeugten eine enorme Entlastungswirkung.
Gemperli sagt: «Davon profitiert die Bevölkerung in entscheidender Weise.» Goldach wolle sich weiterhin als attraktive und lebenswerte Gemeinde am See positionieren. «Zahlreiche Projekte wie etwa die Umfahrungsstrasse im Mühlegut oder die Realisierung des Bushofes konnten in diesem Zusammenhang bereits umgesetzt werden.» Andere Vorhaben wie die Gestaltung der Hauptstrasse mit Bachöffnung seien noch pendent. Ein wesentliches Puzzleteil sei allerdings das Projekt Kantonsstrasse zum See geblieben. Nun könne auch dieses Vorhaben umgesetzt werden und führe zu einem Gesamtbild, welches die verkehrliche Infrastruktur mit Individualverkehr, Langsamverkehr und öffentlichem Verkehr zukunftsgerichtet organisiere. «Speziell gefreut hat mich dabei natürlich die hohe Zustimmung in Goldach selber», sagt Gemperli. Die Ja-Stimmen in der Gemeinde lagen bei 69,48 Prozent.
Für Patrick Trochsler ist es ein «wegweisendes Projekt»
Die Stimmbevölkerung der Gemeinde Rorschacherberg hat sich mit einem Ja-Anteil von rund 67 Prozent ebenfalls deutlich für die neue Strasse ausgesprochen. «Damit unterstützen die Rorschacherberger Stimmbürgerinnen und Stimmbürger klar das für die Region wegweisende Projekt», sagt Gemeindepräsident Patrick Trochsler (Die Mitte).
Seit 20 Jahren wird daran gearbeitet. In einem in der Zwischenzeit zusammengewachsenen Lebens- und Wirtschaftsraum Rorschach, Goldach und Rorschacherberg könne das Verkehrsregime nun regional neu gestaltet werden. Quartiere könnten von Verkehr und Lärm entlastet, die Sicherheit erhöht und der Verkehr entflechtet werden. Trochsler: «Das eröffnet Entwicklungspotenziale für die Region, auch für unsere Gemeinde, wo ebenfalls neuer Wohnraum entstehen soll.» Die flankierenden Massnahmen würden zur Verkehrsberuhigung, separaten und sicheren Wegführungen für Fussgängerinnen und Velofahrer sowie flüssigen Verkehr für den ÖV und Autos führen, wodurch alle profitierten.
Michael Götte sieht «neue Entwicklungsmöglichkeiten»
«Die kantonale Zustimmung vom Abstimmungssonntag ist ein sehr wichtiges Signal für unsere Region», sagt Michael Götte, Gemeindepräsident von Tübach und SVP-Nationalrat. Mit überragenden 67 Prozent Ja-Stimmen im Wahlkreis Rorschach habe die Bevölkerung deutlich gezeigt, wie gross der Bedarf nach einer nachhaltigen Verkehrslösung sei. Die Kantonsstrasse werde Wohnquartiere entlasten, die Sicherheit erhöhen und neue Entwicklungsmöglichkeiten schaffen.
Für ihn persönlich ist die Freude besonders gross. Er habe sich während vieler Jahre im Kantonsrat als auch als Gemeindepräsident von Tübach konsequent für dieses Projekt eingesetzt, sagt Götte. Gerade auch seine Gemeinde sei heute stark belastet. Jeden Abend stauten sich die Fahrzeuge auf der Autobahn über hunderte Meter zurück und suchten schlussendlich eine Abkürzung durch Quartiere. Umso erfreulicher sei es, dass die Tübacher Bevölkerung die Vorlage mit 75 Prozent gutgeheissen habe.
Als nächsten Meilenstein erfolgt im kommenden Jahr die koordinierte Planauflage mit dem Bundesamt für Strassen (Astra) für das Projekt Autobahnanschluss Witen mit Zubringer, wie es beim kantonalen Departement für Bau und Umwelt (DBU) auf Anfrage heisst.
Anschliessend erfolgt die Bereinigung der Einsprachen und das Landerwerbsverfahren. Mit dem Baustart wird im Jahr 2033 gerechnet.
































































































































































































































































































































































