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Tübacher Mausprämie: Keiner fängt Mäuse

1 Franken pro Mausschwanz: Tübacher Mausprämie stösst auf Desinteresse – obwohl der Winter die beste Zeit zum Mausen ist

 

Wer in Tübach eine Maus fängt, kann bei der Gemeinde Geld abholen. Anders als in anderen Jahren hat das Angebot diesen Winter noch niemand genutzt. Dabei ist der Mäusefang momentan besonders wichtig, erklärt Landwirt Thomas Fuchs.

 

Dunkle Knopfaugen, kleine Ohren und ein feines Fell: Die unschuldig dreinblickende Wühlmaus ist ein gefürchteter Schädling in der Landwirtschaft. Sie hat zudem eine der höchsten Vermehrungsraten unter den Säugetieren. Aus einem Mäusepaar können über den Sommer 100 Nachkommen entstehen. Alle paar Jahre kommt es denn auch zu Mäuseplagen.

Auf eine solche lässt der Aufruf im Tübacher Gemeindeblatt schliessen. «Mäusefang lohnt sich! Wer in Tübach eine Maus fängt, kann den Mausschwanz als Beweis beim Werkhof vorbeibringen – dafür gibt’s CHF 1.– pro Stück.» Auf Anfrage nennt Gemeindepräsident Michael Götte jedoch einen anderen Grund für die Aktion: «Wir richten seit ewigen Zeiten Fangprämien aus. Doch im Herbst ist uns aufgefallen, dass in diesem Jahr noch kein einziger Franken ausbezahlt wurde.»

In der Vergangenheit seien regelmässig grössere und kleinere Beträge, insgesamt immer mehrere Hundert Franken pro Jahr auf der Gemeindekanzlei abgeholt worden, so Götte. «Darum wollten wir die Mausprämie im Mitteilungsblatt wieder in Erinnerung rufen.» Für Kinder sei das Mausen eine sinnvolle Art, das Sackgeld aufzubessern, findet er.

 

Im Winter ist Mäusefang besonders wichtig

 

Einer, der das Hobby seit Kindesbeinen betreibt, ist Thomas Fuchs aus Tübach. «Mein Bruder und ich haben jeweils unseren Grossvater beim Mausen begleitet und uns alles abgeschaut.» Während seiner Zweitausbildung zum Landwirt habe er weitere Methoden erlernt, die schädlichen Nager einzudämmen, sagt der gelernte Landschaftsgärtner. Seit dem Jahr 2016 bewirtschaftet er den Hof und führt daneben seine eigene Gartenbaufirma.

Wühlmäuse machen keinen Winterschlaf und die ersten Jungen können bereits im Februar zur Welt kommen. Darum sei in der kalten Jahreszeit der Mäusefang besonders wichtig, sagt Fuchs. «Besonders in frisch gepflanzten Obstkulturen muss man die Mäuse in den ersten Jahren konsequent bekämpfen.» Die Nager fressen unterirdisch sämtliche Wurzeln ab. «Auch der Futterbau, den ich hauptsächlich betreibe, leidet stark», sagt Fuchs. «Wo die Mäuse die Grasnarbe zerstört haben, wächst vermehrt Unkraut wie Gemeine Rispe und kriechender Hahnenfuss.» Zudem werde das Futter durch die Wühltätigkeit verschmutzt. «Sauberes Gras heisst gesunde Tiere und damit mehr Milch.»

 

Wenn der Fuchs die Falle verschleppt, ist das teuer

 

Auf der Wiese bei der «Fuchs Farm» in Tübach ragen an diesem Dezembermorgen einige Markierstäbe in den Himmel. Hier hat Thomas Fuchs in der Frühe die Fallen gesetzt. Er arbeitet mit dem System Topcat, das aus einem Metallzylinder mit einer gespannten Feder besteht. Das Rohr wird direkt in den Mäusegang platziert. Eine durchlaufende Maus wird sekundenschnell erschlagen. Diese Fallen seien sehr zuverlässig, aber relativ teuer, erklärt der Landwirt.

«Wenn der Fuchs eine verschleppt, weil er die darin gefangene Maus fressen will, ist das Geld meist verloren.» Darum stelle er die Fallen prinzipiell nur tagsüber. Auch die traditionellen Drahtfallen hat er noch in Gebrauch. «Die sind kostengünstiger und funktionieren auch recht zuverlässig.»

 

Liechtensteiner Gemeinde beschäftigt Berufsmauser

 

Im Fürstentum Liechtenstein werden die Mauser noch besser entlöhnt als in der Ostschweiz. Dort erhält man pro Mäuseschwanz nämlich bis zu 3.50 Franken. Eine Besonderheit besteht in Balzers: Seit 2006 beschäftigt die dortige Bürgergenossenschaft Frauen und Männer, die in einem vertraglich zugeteilten Gebiet mausen. Deren Bilanz kann sich sehen lassen. Von 2006 bis 2020 wurden 36‘355 Mäuse gefangen und mit 127‘242,50 Franken entschädigt. Ein Fangrekord wurde im Jahr 2024 mit 7’350 Mäusen aufgestellt. (ker)

 

Auch Schafe helfen gegen Mäuse

 

Thomas Fuchs zieht Arbeitshandschuhe an. «Das mache ich einerseits wegen der Hygiene und andererseits, damit die Mäuse nicht riechen, wenn ich den Gang oder die Falle berühre.» Er schreitet die Wiese ab und kontrolliert die Fallen. Bei zweien wurde der Mechanismus zwar ausgelöst, doch die Maus entkam. Bei der dritten schliesslich wird er fündig und zieht eine dicke Wühlmaus aus dem Gang. Das tote Tier bringe er an den Waldrand, dort hole es der Fuchs, erklärt der Landwirt. «Wenn ich eine grosse Menge hätte, müsste ich sie in die Kadaversammelstelle bringen.» Die Schwänze der toten Mäuse entfernt er und bringt sie auf den Werkhof, um die Mausprämie zu erhalten.

Das Mausen mit Fallen ist eine der tierfreundlichsten Arten, die Verbreitung der Mäuse einzudämmen. So kann auf den Einsatz von Giften, die auch für andere Tiere gefährlich sein können, verzichtet werden. Doch die Arbeit ist zeitaufwendig. Er habe sie in letzter Zeit vernachlässigt, sagt Thomas Fuchs. «Jetzt sieht es wirklich schlimm aus.»

Als erste Massnahme treibe er nun die Schafe eines Kollegen auf die Weide. «Das kann helfen, die Tiere zertreten die Gänge und fressen das Gras kurz, dann können sich Mäuse weniger verstecken.» Längerfristig werde er wohl nicht ohne Vergasungsgerät auskommen. «Damit bekommt man eine Fläche schneller mausfrei als mit Fallen.»

 

Mausprämie könnte abgeschafft werden

 

Eine weitere Möglichkeit, die Mauspopulationen zu regulieren, ist die Förderung natürlicher Feinde. Greifvögel, Katzen, Füchse, Turmfalke, Schleiereule und Wiesel freuen sich über die fette Beute. Auf offenen Feldern, wo keine Bäume stehen, können Sitzstangen für die Raubvögel befestigt werden. Sie erleichtern diesen insbesondere im Winter die Jagd. Dem Wiesel bieten Hecken, Ast- und Steinhaufen, Altgrasstreifen oder aufgewertete Waldränder Deckung, Aufzuchtorte und sichere Wege zwischen den Jagdgebieten. Die Anfertigung von geeigneten Nisthilfen zum Beispiel für Turmfalken oder Schleiereulen kann deren Bestände ebenfalls erhöhen.

Tübach ist wohl die einzige stadtnahe Gemeinde, wo noch Fangprämien ausgerichtet werden. Gaiserwald, Mörschwil und Untereggen tun dies nicht mehr. Der Eggersrieter Gemeindepräsident Guido Keller erklärt auf Anfrage, dass Mausen nicht Aufgabe der Gemeinde, sondern der Grundbesitzer sei. Diese hätten schliesslich den meisten Nutzen aus der Tätigkeit. Auch für Michael Götte ist die Mausprämie nicht in Stein gemeisselt. «Wenn keine Nachfrage mehr besteht, werden wir prüfen, das Angebot ganz einzustellen. Wir werden sicherlich keine Kampagne machen.»

 

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