«Lenk- und bremsunfähig»: Die Armee kämpft mit maroden Panzern – und setzt auf Drohnen
Der Schützenpanzer M113 fällt wiederholt aus, auch die Panzerhaubitze M109 kämpft mit Altersproblemen. Während die Bodentruppen improvisieren müssen, hat die Armee andere Prioritäten.
Kürze:
- Einige Dutzend M113-Schützenpanzer sind wieder fahrbereit, aber nur für Schritttempo.
- Die vollständige Instandsetzung der 238 betroffenen Fahrzeuge dauert voraussichtlich bis Herbst 2027.
- Auch die Panzerhaubitze M109 kämpft mit altersbedingten Ausfällen und soll ab 2030 ersetzt werden.
- Künftig fliesst nur noch rund ein Fünftel der Armeeinvestitionen in die Bodentruppen.
Verteidigt wird nur im Schneckentempo: Nach dem erneuten Grounding der M113 rollen die ersten Schützenpanzer zwar wieder. Doch vielerorts müssen Ausbildner und Soldaten weiterhin improvisieren.
Wie der «Blick» berichtet, ersetzen in Übungen teilweise andere Fahrzeuge den M113. Die Schützenpanzer dürfen sich nur im Schritttempo bewegen oder werden zu Schiessübungen transportiert und dort nicht mehr bewegt.
Die Armee betont gegenüber der Zeitung, die Ausbildung sei sichergestellt und inzwischen seien wieder einige Dutzend Fahrzeuge fahrbereit. Bis die gesamte Flotte wieder instand gesetzt ist, dürfte es jedoch noch bis Herbst 2027 dauern.
Sofortiges Fahrverbot für die M113
Im Februar hatte das Verteidigungsdepartement (VBS) mitgeteilt, dass die gesamte M113-Flotte erneut mit einem sofortigen Fahrverbot belegt werde. Bei Instandhaltungsarbeiten seien Probleme am Seitenantrieb festgestellt worden. Metallteile im Öl könnten dazu führen, dass die Schützenpanzer «unter Umständen lenk- und bremsunfähig» würden. Das Fahrverbot betraf alle 238 Fahrzeuge.
Es handelt sich schon um das zweite Grounding der Schützenpanzer-Flotte: Bereits Ende 2023 hatte die Armee die M113 wegen eines Defekts an der Antriebswelle vorsorglich stillgelegt. Die Probleme gehen auf das Alter der Fahrzeuge zurück: 1963 hat die Schweiz die gepanzerten Transporter aus den USA beschafft.
Welche Folgen das im Truppenalltag hat, schildern Offiziere im «Blick»: «Man bekommt die Ausbildung halbwegs hin, aber der Mehraufwand ist beträchtlich», sagte Erich Muff, Präsident der Offiziersgesellschaft Panzer. Wegen des Alters der Fahrzeuge komme es «bald wieder zu Ausfällen», wenn sie nicht grundlegend erneuert oder ersetzt würden.
Dass der M113 an seine Grenzen stösst, beschäftigt Politik und Armee seit Jahren. Im März 2024 fragte SVP-Nationalrat Michael Götte den Bundesrat, wann die «veralteten und maroden Schützenpanzer» endlich ersetzt würden.
Der Bundesrat antwortete damals, die Ausserdienststellung sei erst gegen Ende der 2020er-Jahre vorgesehen. Die ersten neuen geschützten Führungsfahrzeuge sollen frühestens 2030 an die Truppe ausgeliefert werden.
Auch die Panzerhaubitzen haben Probleme
Der M113 ist kein Einzelfall. Auch andere zentrale Systeme der Bodentruppen kämpfen mit den Folgen ihres Alters. Besonders deutlich zeigt sich das bei der Panzerhaubitze M109, die seit 1968 bei der Schweizer Armee im Einsatz steht.
Ausfälle und Reparaturen prägen zunehmend den Betrieb und die Ausbildung. Ölleitungen platzen, Hydrauliksysteme fallen aus, und Haubitzen bleiben auf dem Weg zum Schiessplatz liegen. Die Armee will die M109 ab 2030 schrittweise durch ein neues Artilleriesystem auf Basis des deutschen Artillery Gun Module ersetzen, wie Armasuisse mitteilte.
Das Muster ähnelt jenem beim M113: Die Armee hält Fahrzeuge aus den 1960er-Jahren weiter im Einsatz, weil moderner Ersatz erst schrittweise verfügbar wird.
Die Materialprobleme treffen die Bodentruppen ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, an dem sich die Prioritäten der Armee verschieben. Während die Bodentruppen mit überaltertem Material kämpfen, richtet die Armeeführung den Blick auf andere Bedrohungen. Der Bundesrat hat im Juni die strategischen Leitlinien für die Weiterentwicklung der Armee verabschiedet.
Mehr Drohnen, weniger Panzer
Im Zentrum stehen künftig Luftverteidigung, Drohnen, Raketenabwehr und Cyberabwehr. Für Panzer und andere Ausrüstung der Bodentruppen ist laut VBS-Leitlinien nur noch rund ein Fünftel der Investitionen vorgesehen.
Insgesamt plant die Armee bis 2039 Investitionen von 58 Milliarden Franken. Der grösste Teil soll in die Erneuerung der Luftverteidigung sowie in Drohnen- und Cyberfähigkeiten fliessen.
Verteidigungsminister Martin Pfister begründet die neue Prioritätensetzung damit, dass die Armeeführung Angriffe aus der Luft und dem Cyberraum heute für wahrscheinlicher hält als einen klassischen Panzerangriff.
Stefan Holenstein, Präsident des Verbands Militärischer Gesellschaften Schweiz, der sich für höhere Armeeausgaben einsetzt, zeigt sich gegenüber dem «Blick» besorgt. «Die Bodentruppen machen mir wirklich Sorgen», sagt er. «Sie könnten in den nächsten Jahren komplett untergehen.»


















































































































































































































































































































































































