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10.08.17 07:48 Alter: 99 Tage

«Zeit, sich neu zu orientieren»

Von: TAGBLATT

WECHSELBAD ⋅ Stadtpräsident, Privatwirtschaft oder Nationalrat – zwei Jahre vor seinem 40. Geburtstag denkt Tübachs Gemeindepräsident Michel Götte über seine Zukunft nach. Nicht vom Tisch ist das Stadtpräsidium in Gossau.

Michael Götte auf dem Dach der Zingg AG in Tübach, dem höchsten Punkt der Gemeinde, mit Blick auf den Bodensee.

TAGBLATT/Rudolf Hirtl

Der 38-jährige SVP-Politiker Michael Götte ist seit 2006 Gemeindepräsident von Tübach. Bereits seit 2003 sitzt er im Kantonsrat St. Gallen. Zudem ist er Leiter kantonale Politik der Industrie- und Handelskammer St. Gallen-Appenzell. Zwei Jahre vor seinem runden Geburtstag beschäftigt er sich auch mit seiner persönlichen Weichenstellung. Wohin ihn sein Weg künftig führen könnte, darüber äussert er sich im nachfolgenden Interview.

Michael Götte, weshalb haben derart viele Menschen Mitleid mit Ihnen?

 

(stutzt) Mitleid muss niemand mit mir haben. Vielleicht, weil meine verschiedenen Mandate eine grosse Präsenzzeit verlangen.

 

Es ist doch vielmehr so, wann immer ein Stadtpräsident gesucht wird, dann kommen Sie ins Spiel. Man will Sie offenbar aus dem ländlichen Kleinbürgertum befreien.

 

Ich glaube nicht, dass es darum geht, mich zu erlösen. Wer einmal so ein Dorf wie Tübach führen darf, der weiss, dass dies besser ist als viele andere Sachen. Fakt ist aber, es gibt hierzulande nicht viele SVP-Politiker in der Exekutive. Weil ich mich bekanntlich schon um höhere Positionen (Regierungsrat) beworben habe, denken die Leute gerne an mich, wenn sich etwas tut.

 

Wann kehren Sie Tübach also den Rücken?

 

Wenn eine spannende und herausfordernde Alternative kommt, die für mich und meine Familie passt.

 

Und was kommt da in Frage?

 

Das kann nach wie vor Verschiedenes sein. Es kann ein anderes politisches Mandat sein. Es kann auch eine Kandidatur für den Nationalrat sein, wobei dies auch mit dem Amt als Gemeindepräsident kombinierbar wäre. Eine neuerliche Kandidatur für den Regierungsrat hat momentan nicht die oberste Priorität. An Gewicht gewonnen hat hingegen in der Zwischenzeit mein Engagement in der Privatwirtschaft.

 

Apropos politisches Mandat. Sie werden als Kandidat für das Stadtpräsidium in Gossau gehandelt. Ein Amt, das Sie sich vorstellen können?

 

Bei einem Wechsel auf kommunaler Ebene würde mein Fokus klar auf einer Stadt liegen. Ich habe bei der Partei bezüglich Gossau aber die Ansicht eingebracht, dass es besser wäre, sich auf einen Sitz im Stadtrat zu konzentrieren, mit realistischer Wahlchance, statt gleichzeitig auch noch das Stadtpräsidium anzustreben. Und mit Kantonsrätin Claudia Martin stellen wir zweifellos eine sehr gute Kandidatin für den Stadtrat.

 

Das heisst, eine Kandidatur von Ihnen fürs Gossauer Stadtpräsidium ist vom Tisch?

 

Wie gesagt, ich kann mir nicht vorstellen, dass Gossau Ja sagt zu einer SVP-Städträtin und einem SVP-Stadtpräsidenten. Es gibt aber nach wie vor Leute aus der Partei und ausserhalb, die sich um mich bemühen. Es finden dazu in den nächsten Tagen auch noch verschiedene Gespräche statt. Der Schlussstrich ist immer erst dann gezogen, wenn die Eingabefrist abgelaufen ist.

 

Zurück nach Tübach. Wo drückt der Schuh aktuell am meisten?

 

Noch immer beim Grossprojekt Zentrumswiese. Ich habe aber am ersten Tag nach meinen Ferien gehört, dass sich beim kantonalen Baudepartement, wo der Fall seit beinahe zwei Jahren hängig ist, etwas tut. Wir dürfen also in den nächsten Tagen mit einem Entscheid rechnen. Offen ist, in welche Richtung der Entscheid geht. Wir bekommen zwar aufgrund der Messgrösse im neuen Aggloprogramm noch etwas Bauland. Aber dennoch sind wir in der baulichen Entwicklung sehr eingeengt.